Das Problem beschränkt sich längst nicht mehr auf primitive Bots und immer gleiche Kommentare. Zur Werbung werden echte Menschen, alte Accounts, verifizierte Profile, gekaperte Domains, kostenpflichtige Mitwirkendenprogramme und ganze Netzwerke von Pseudopublikationen eingesetzt.
Daher spiegelt eine äußerlich überzeugende digitale Reputation immer häufiger nicht die Qualität eines Unternehmens wider, sondern die Größe und Professionalität seines Marketingbudgets.
Selbst die größten Plattformen sind nicht in der Lage, alles herauszufiltern
Google setzt automatisierte Systeme, künstliche Intelligenz und manuelle Moderation ein. Dennoch hat das Unternehmen allein im Jahr 2024 mehr als 240 Millionen regelwidrige Bewertungen sowie über 12 Millionen gefälschte Unternehmensprofile gesperrt oder gelöscht und die Veröffentlichungsmöglichkeiten für mehr als 900.000 Konten eingeschränkt. Laut Google wurden die meisten dieser Bewertungen gelöscht, bevor Nutzer sie überhaupt sehen konnten.
Product Hunt verbietet Bots, den Kauf von Stimmen, Abstimmungsgruppen, Massenanfragen nach Upvotes und jegliche Form von manipulierten Abstimmungen. Die Plattform nutzt automatische Anomalieerkennung und manuelle Moderation; der Versuch, das Rating künstlich zu beeinflussen, kann zur Löschung des Beitrags oder zur Sperrung des Kontos führen.
Trustpilot gab bekannt, dass im Jahr 2024 etwa 4,5 Millionen gefälschte Bewertungen gelöscht wurden, was 7,4 % aller im Laufe des Jahres abgegebenen Bewertungen entsprach. Etwa 90 % der aufgedeckten Fälschungen wurden automatisch gelöscht. Von der Gesamtzahl der gelöschten gefälschten Beiträge waren etwa 3,4 Millionen mit fünf Sternen bewertet.
Diese Zahlen verdeutlichen das Ausmaß des Problems, lassen jedoch nicht erkennen, wie viele professionell inszenierte Manipulationen unentdeckt geblieben sind. Die Statistiken der Plattformen spiegeln lediglich das wider, was aufgedeckt wurde.
Die Plattformen verfügen über keine universelle Methode, um festzustellen, ob der Verfasser die Dienstleistung tatsächlich in Anspruch genommen hat, wenn die Bewertung über ein gewöhnliches oder seit langem bestehendes Konto veröffentlicht wurde und sich technisch nicht von einer echten Bewertung unterscheidet.
Ein verifiziertes Konto bedeutet noch lange nicht, dass auch die Kundenerfahrung verifiziert ist.
Wie viel kostet eine künstliche Reputation?
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels waren Dienste öffentlich zugänglich, die „Product Hunt“-Stimmen für etwa 1,80 bis 2 US-Dollar pro „Upvote“ anboten.
Ein Anbieter gab offen einen Preis von 2 $ pro Stimme an und versprach Upvotes von „echten Accounts“. Ein anderer bot Stimmen für 1,80 $ an und erklärte, dass die Aufträge von echten Product-Hunt-Nutzern manuell ausgeführt und die Stimmen zeitlich gestreut würden, um plötzliche Anomalien zu vermeiden. Dies sind Aussagen der Anbieter selbst und keine unabhängig bestätigten Garantien.
Auf der Bewertungsplattform Trustpilot wurden öffentlich folgende Preise angeboten:
- etwa 7 $ pro Bewertung;
- etwa 10–12 $ pro Einzelbewertung;
- zwischen 6,50 und 8 Dollar pro Bewertung bei Großaufträgen;
- etwa 12–15 $ pro Bewertung, die der Anbieter als „verifiziert“ bezeichnet.
Der Begriff „verifiziert“ in solchen Angeboten ist eine Marketingaussage des Anbieters und bedeutet keine offizielle Bestätigung seitens Trustpilot.
So können mit einigen hundert Dollar Dutzende positiver Beiträge erstellt oder die visuelle Wahrnehmung der Bewertung deutlich verändert werden. Dabei kann der Dienstleister nicht leere Profile, sondern Accounts mit einer Historie, weiteren Bewertungen, Fotos und Aktivität bereitstellen.
Was unsere Untersuchung ergeben hat
Im Rahmen der Untersuchung stießen wir auf Dutzende „Spezialisten“ für Reputations- und SEO-Optimierung, die Hunderte von Möglichkeiten zur Gestaltung der digitalen Reputation anboten.
Zu den angebotenen Methoden gehörten:
- Die Veröffentlichung von gesponserten Artikeln, Rezensionen und Bewertungen unter dem Deckmantel unabhängiger Veröffentlichungen.
- Die Nutzung alter oder gekaperter Domains von Unternehmen aus verschiedenen Ländern, die ihre Geschäftstätigkeit eingestellt haben.
- Das Befüllen solcher Domains mit erfundenen Inhalten und deren Umwandlung in Pseudopublikationen.
- Die Veröffentlichung kommerzieller Inhalte ohne Hinweise
Sponsored,Advertisementoder Angaben zur Zusammenarbeit. - Veröffentlichung von Bewertungen über bestehende und verifizierte Konten bei LinkedIn, Facebook, Google und Trustpilot.
- Erstellung von Kommentaren, Reaktionen und Diskussionen rund um die beauftragte Veröffentlichung.
- Schrittweise Verteilung der Aktivitäten nach Zeit, Ländern, Geräten und Konten.
- Hinzufügen neutraler und negativer Bewertungen, um ein natürlicheres Bild zu schaffen.
Dabei kommen nicht nur neue Bots zum Einsatz. Die Konten können eine langjährige Historie, Fotos, Beiträge, Verbindungen und normale soziale Aktivität aufweisen. Einige Dienstleister beauftragen echte Menschen und erteilen ihnen Aufgaben über geschlossene Gruppen oder Mikroaufgaben-Plattformen.
Infolgedessen lässt sich anhand des Erscheinungsbilds eines Artikels oder einer Bewertung oft nicht zuverlässig feststellen, ob der Beitrag bezahlt wurde.
Wie entsteht ein falscher Vertrauensvorschuss?
Eine der effektivsten Methoden ist nicht die direkte Fälschung einer Bewertung, sondern die Aneignung des Rufs einer bekannten Marke.
Das Unternehmen platziert auf seiner Website die Logos großer Medienunternehmen und schreibt:
- „As seen in…“;
- „Featured in…“;
Ein gewöhnlicher Besucher interpretiert dies als Bestätigung dafür, dass Journalisten einer bekannten Publikation das Unternehmen unabhängig geprüft und beschlossen haben, darüber zu berichten. In der Praxis kann der Charakter der Veröffentlichung jedoch völlig anders sein.
Beispiel: Forbes Councils
Eines der häufigsten Beispiele sind die Veröffentlichungen von Forbes Councils.
Forbes kennzeichnet solche Beiträge ausdrücklich als „Council Post“, weist darauf hin, dass sie von Teilnehmern der Forbes Councils verfasst werden, dass das Programm auf Lizenzbasis läuft, dass die Meinungen den Autoren gehören und dass die Mitgliedschaft kostenpflichtig ist. Dies ist nicht dasselbe wie unabhängige redaktionelle Beiträge von Forbes.
Das Programm „Forbes Councils“ selbst nennt die Möglichkeit, eigene Artikel auf Forbes.com zu veröffentlichen, als einen der Vorteile der kostenpflichtigen Mitgliedschaft. In der Programmbeschreibung wird gesondert hervorgehoben, dass solche Veröffentlichungen dazu beitragen, die Sichtbarkeit, das Vertrauen und den beruflichen Ruf der Teilnehmer zu steigern. Die Teilnehmer erhalten zudem spezielle Badges, die auf Websites, in Signaturen und in sozialen Netzwerken platziert werden können.
Es ist technisch nicht immer korrekt, jeden „Council Post“ als gewöhnlichen Werbe- oder Sponsorenartikel zu bezeichnen: Es handelt sich um ein eigenständiges Format für kostenpflichtige Mitgliedschaften und Autorenbeiträge. Allerdings stellt dies auch keine unabhängige journalistische Empfehlung des Unternehmens dar.
Der Marketing-Trick besteht darin, dass der Kontext bei der weiteren Verbreitung oft verloren geht. Anstelle der Formulierung:
„Der Unternehmensleiter hat über das kostenpflichtige Mitgliedschaftsprogramm von Forbes Councils eine Autorenkolumne veröffentlicht“
wird dem Nutzer Folgendes angezeigt:
„Das Unternehmen ist bei Forbes vertreten“.
Den kleinen Hinweis Council Post, den Hinweis auf die kostenpflichtige Mitgliedschaft und den Haftungsausschluss bemerken viele Leser gar nicht. Dabei sorgt das Forbes-Logo für ein hohes Maß an Vertrauenswürdigkeit.
Nach einem ähnlichen Modell können verwendet werden:
- Autorenkolumnen;
- Gastbeiträge;
- Partnerinhalte;
- Beitragsplattformen;
- Pressemitteilungen;
- bezahlte Rankings und Auszeichnungen;
- Beiträge, die automatisch auf Dutzenden von Websites verbreitet werden;
- Auszeichnungen von Mitgliedern in Fachgremien;
- Interviews, die vom Protagonisten des Artikels selbst organisiert wurden.
Die bloße Tatsache, dass ein Beitrag auf der Domain eines bekannten Medienunternehmens veröffentlicht wird, bedeutet noch nicht, dass die Redaktion eine unabhängige Recherche durchgeführt, das Unternehmen überprüft oder es ihren Lesern empfiehlt.
Man kann sogar den Anschein enzyklopädischer Relevanz kaufen
Ein eigenständiger Marktbereich ist die Erstellung von Einträgen und Seiten auf Wikipedia geworden.
Den im Rahmen unserer Untersuchung erfassten Angeboten zufolge nannten die Vermittler folgende Preise:
- ab 2.000 US-Dollar, wenn das Unternehmen bereits Veröffentlichungen in unabhängigen, renommierten Quellen vorweisen kann;
- etwa 8.500–17.000 US-Dollar, wenn die erforderliche Informationsgrundlage zunächst durch kostenpflichtige Artikel geschaffen werden muss und anschließend innerhalb von 7–10 Monaten die Veröffentlichung und Überprüfung durch Wikipedia-Mitwirkende angestrebt wird.
Dies sind keine offiziellen Tarife von Wikipedia oder der Wikimedia Foundation, sondern kommerzielle Angebote von externen Vermittlern. Sie garantieren nicht, dass der Artikel angenommen, beibehalten oder später nicht gelöscht wird.
Die Wikimedia Foundation verkauft keine Artikel. Die Richtlinien verlangen die Offenlegung bezahlter Bearbeitungen, einschließlich des Arbeitgebers, des Kunden und anderer beteiligter Parteien. Verdeckte bezahlte Arbeit verstößt gegen die Anforderungen der Plattform, und werbliche Bearbeitungen können zudem gegen die Regeln der jeweiligen Sprachversion von Wikipedia verstoßen.
Für den normalen Leser kann eine professionell aufbereitete Wikipedia-Seite jedoch wie eine unabhängige Bestätigung der Bedeutung eines Unternehmens wirken.
So entsteht ein geschlossener Kreislauf:
- Es werden Artikel in Pseudopublikationen oder im Rahmen von Mitwirkendenprogrammen gekauft.
- Diese Artikel werden als „unabhängige Quellen“ verwendet.
- Auf dieser Grundlage wird ein Wikipedia-Artikel erstellt.
- Der Verweis auf Wikipedia wird genutzt, um das Vertrauen der Kunden zu stärken.
- Anschließend dient der Wikipedia-Eintrag selbst als Argument für neue Veröffentlichungen und Bewertungen.
Der Markt für Bewertungen hat sich zu einem Markt für den Verkauf von Reputation gewandelt
Moderne Reputationsagenturen verkaufen nicht nur eine einzelne Bewertung, sondern ein ganzes Informationsumfeld:
- positive Bewertungen;
- Artikel und Rezensionen;
- „Kundenprofile“;
- Diskussionen in sozialen Netzwerken;
- Veröffentlichungen auf alten Domains;
- Links aus Pseudo-Medien;
- Platzierungen in Rankings;
- Erwähnungen in Contributor-Programmen;
- Verdrängung negativer Suchergebnisse;
- Schaffung des Anscheins von Bekanntheit und gesellschaftlicher Anerkennung.
Parallel dazu monetarisieren die großen Plattformen selbst die Instrumente zur Steuerung der Sichtbarkeit.
Der Verkauf solcher Instrumente beweist an sich noch nicht den Verkauf gefälschter Bewertungen oder eine nachsichtigere Moderation. Er schafft jedoch einen offensichtlichen Interessenkonflikt: Die Plattform fungiert gleichzeitig als Vertrauensindikator und verkauft Unternehmen Möglichkeiten, dieses Vertrauen im Marketing effektiver zu nutzen.
Während unserer Untersuchung wurden die Forscher nach der Registrierung auf einigen beliebten Plattformen von Kundenbetreuern kontaktiert. In einzelnen persönlichen Gesprächen und Telefonaten wurden Möglichkeiten erörtert, das Erscheinungsbild des Unternehmens im Vergleich zu Wettbewerbern zu verbessern, die Sichtbarkeit zu steuern und „umstrittene Situationen günstiger zu regeln“.
Diese Vorfälle beziehen sich auf konkrete Kommunikationsfälle und beweisen für sich genommen nicht die Existenz einer offiziellen Richtlinie der gesamten Plattform.
Doch solche Angebote verdeutlichen ein grundlegendes Problem des Marktes: Wer Vertrauen verkauft, zieht gleichzeitig wirtschaftlichen Nutzen aus den Unternehmen, die dieses Vertrauen nutzen.
Warum die üblichen Anzeichen für Fälschungen nicht mehr funktionieren
Das Alter einer Domain ist kein Beweis für ihre Zuverlässigkeit. Eine alte Domain kann gekauft, nach Ablauf der Registrierung übernommen oder mit völlig neuen Inhalten gefüllt werden.
Auch eine ansprechende Website sagt nichts aus. Eine Vorlage, ein Autorenteam, rechtliche Hinweise und ein langjähriges Archiv lassen sich innerhalb kurzer Zeit erstellen oder importieren.
Professionelle Antworten auf negative Bewertungen sind kein Beweis für Seriosität. Sie können von einem erfahrenen SMM-Team verfasst werden.
Auch die Dynamik der Bewertungen lässt sich durch Reputationskampagnen nachstellen. Die Dienstleister können:
- Bewertungen schrittweise veröffentlichen;
- fünf, vier und drei Sterne abwechselnd vergeben;
- leichte Kritik einbauen;
- verschiedene Textstile verwenden;
- Pausen einlegen;
- die Veröffentlichungen auf verschiedene Länder verteilen;
- eine Vorgeschichte für die Konten erstellen.
Identische Formulierungen, neue Profile und ein sprunghafter Anstieg von Fünf-Sterne-Bewertungen sind weiterhin alarmierende Anzeichen. Das Fehlen dieser Anzeichen bestätigt jedoch nicht die Echtheit der Bewertungen.
Eine gute Fälschung wird gezielt so gestaltet, dass sie nicht wie eine Fälschung wirkt.
Lässt sich zuverlässig feststellen, ob ein Beitrag gekauft wurde?
Allein anhand des äußeren Erscheinungsbilds – meistens nicht.
Ohne Zugriff auf Zahlungsdaten, Verträge, Korrespondenz, interne Systeme der Plattform oder Aussagen der Beteiligten lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen, ob ein bestimmter Artikel, eine Rezension, eine Expertenkolumne oder eine Wikipedia-Seite bezahlt wurde.
Man kann verdächtige Verbindungen, identische Texte, Netzwerke von Websites, gemeinsame analytische Identifikatoren, miteinander verbundene Eigentümer oder wiederkehrende Konten aufdecken. Dies ermöglicht jedoch lediglich eine Einschätzung der Wahrscheinlichkeit einer Manipulation, nicht aber immer den Nachweis einer Bezahlung.
Daher lässt sich das Problem nicht allein durch eine verfeinerte Textanalyse lösen. Es ist notwendig, die tatsächlichen Beziehungen zwischen dem Verfasser der Bewertung und dem Unternehmen zu überprüfen.
Wie lässt sich das System ändern?
Eine absolut zuverlässige Überprüfung gibt es nicht. Plattformen können jedoch von der Überprüfung von Texten und Konten hin zur Überprüfung rechtlicher, finanzieller und betrieblicher Fakten übergehen.
Verifizierung im B2B-Bereich
Bei Unternehmensbewertungen muss nicht nur die E-Mail-Adresse oder die Domain überprüft werden, sondern auch der Vertragspartner selbst:
- die Eintragung der juristischen Person;
- den aktuellen rechtlichen Status;
- Eigentümer und Geschäftsführer;
- die Zugehörigkeit der Domain;
- Zugehörigkeit der Unternehmens-E-Mail-Adresse;
- Zugehörigkeit des Bankkontos;
- Vorhandensein von Lizenzen;
- Geschäftstätigkeit;
- Vertrag, Rechnung, Zahlung oder Lieferung;
- das Fehlen eines offensichtlichen Zusammenhangs zwischen den Parteien.
Eine Domain darf nicht automatisch als Nachweis für die Existenz eines Unternehmens gewertet werden. Sie kann gekauft, weiterverkauft oder auf einen Strohmann registriert worden sein.
Auch eine rechtliche Registrierung reicht nicht aus. Ein Unternehmen kann formal existieren, ohne tatsächlich tätig zu sein.
Daher muss der Status einer Unternehmensüberprüfung aus mehreren unabhängigen Kriterien bestehen:
- die juristische Person ist bestätigt;
- die Geschäftstätigkeit ist bestätigt;
- der Unternehmensvertreter ist bestätigt;
- die Geschäftsbeziehungen sind bestätigt;
- Zahlung oder Lieferung bestätigt;
- die Zusammenarbeit besteht weiterhin;
- die Zusammenarbeit ist beendet.
Die Überprüfung muss regelmäßig aktualisiert werden. Ein Unternehmen, das vor einem halben Jahr oder einem Jahr noch bestand, kann heute bereits aufgelöst sein oder seine Geschäftstätigkeit faktisch eingestellt haben. In der Regel geschieht dies noch vor der ersten Steuererklärung.
Überprüfung für B2C
Im B2C-Bereich ist die Aufgabe komplexer. Selbst eine echte Person und ein echtes Konto beweisen noch nicht, dass die Dienstleistung in Anspruch genommen und genutzt wurde.
Ein Foto des Belegs oder ein Screenshot der Banking-App reichen ebenfalls nicht aus: Bilder, Dokumente und Benutzeroberflächen lassen sich fälschen.
Ein zuverlässigeres System sollte mehrere Ebenen umfassen.
1. Unabhängige Bestätigung der Zahlung
Die Zahlung muss nicht vom Unternehmen selbst, sondern von der Bank oder dem Zahlungsdienstleister bestätigt werden. Jedes Unternehmen, das sich als Vermittler einbringt, birgt dieselben Risiken, die derzeit bestehen.
Die Bewertungsplattform könnte einen speziellen Token erhalten, der Folgendes bestätigt:
- die Tatsache der Transaktion;
- das Datum;
- die Produktkategorie;
- den Empfänger;
- das Fehlen einer vollständigen oder teilweisen Rückgabe zum Zeitpunkt der Überprüfung
- das Fehlen einer vollständigen oder teilweisen Rückerstattung nach N Tagen ab dem Zeitpunkt der Überprüfung
Dabei müssen weder die Kartennummer noch der genaue Betrag noch persönliche Bankdaten angegeben werden.
2. Nachweis der tatsächlichen Nutzung
Eine einmalige Zahlung bedeutet noch nicht, dass der Kunde das Produkt tatsächlich genutzt hat.
Bei digitalen Diensten kann Folgendes bestätigt werden:
- die Aktivierung des Kontos;
- die Anmeldung im System;
- die Nutzung der Hauptfunktionen;
- die Dauer des Abonnements;
- das Erreichen eines bestimmten Nutzungsniveaus.
Für physische Waren:
- Übergabe der Bestellung an den Spediteur;
- bestätigte Zustellung;
- keine Rückgabe innerhalb von 14/30 Tagen;
Für Dienstleistungen:
- die Tatsache der Buchung;
- Beginn der Leistungserbringung;
- Abschluss der Phase;
- Unterzeichnung des Protokolls oder einer anderen Leistungsbestätigung.
3. Nachweise vor und nach der Veröffentlichung
Für bestimmte Kategorien müssen Nachweise nicht nur zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Bewertung, sondern auch nach einer bestimmten Zeit angefordert werden.
Beispielsweise:
- Bestätigung des Status vor Beginn der Dienstleistung;
- Bestätigung der Aktivierung oder der ersten Nutzung;
- Nachprüfung nach 30, 60 oder 90 Tagen;
- Informationen zur Rückgabe;
- Informationen zu Rückbuchungen;
- Bestätigung, dass das Konto weiterhin genutzt wurde.
Dadurch lassen sich die Nutzer in folgende Kategorien einteilen:
- aktuelle Kunden;
- ehemaliger Kunde;
- Kunde, der eine Rückgabe beantragt hat;
- Kunde, der eine Rückbuchung vorgenommen hat;
- Nutzer, der das Produkt bezahlt, aber nicht genutzt hat;
- Nutzer mit nachgewiesener langfristiger Nutzung.
4. Einteilung der Verifizierungsstufen
Anstelle einer einzigen Kennzeichnung Verified muss angezeigt werden, was genau überprüft wurde:
- Identität bestätigt;
- Zahlung bestätigt;
- die Lieferung wurde bestätigt;
- Aktivierung bestätigt;
- die Nutzung wurde bestätigt;
- die Nutzung über 30 Tage ist bestätigt;
- keine Rückgabe verzeichnet;
- Das Ergebnis wurde nicht unabhängig bestätigt.
Dies ist von entscheidender Bedeutung, da eine bestätigte Zahlung weder die Richtigkeit des Textes belegt noch das Erreichen des Ergebnisses garantiert.
5. Schutz vor fiktiven Transaktionen
Es müssen folgende Fälle erkannt werden:
- Zahlungen zwischen verbundenen Personen;
- Kreislaufüberweisungen;
- Massenkäufe zum Mindestbetrag;
- die Nutzung eines einzigen Zahlungsmittels durch verschiedene Konten;
- die Bezahlung eines günstigen Produkts mit anschließender Bewertung einer teuren Dienstleistung;
- sofortige Rückerstattungen nach der Veröffentlichung;
- verbundene Mitarbeiter und Auftragnehmer.
6. Stichprobenprüfung
Ein Teil der Bewertungen sollte einer zusätzlichen manuellen Überprüfung unterzogen werden, bei der Unterlagen oder technische Nachweise angefordert werden.
Die Wahrscheinlichkeit einer Prüfung kann erhöht werden bei:
- neue Unternehmen;
- eines sprunghaften Anstiegs der Bewertung;
- teure und risikoreiche Dienstleistungen;
- Finanzprodukte;
- medizinische Dienstleistungen;
- Investitionsprojekte;
- Unternehmen mit einer hohen Anzahl an Beschwerden.
7. Verbot selektiver Einladungen
Ein Unternehmen darf nicht die Möglichkeit haben, Einladungen zur Abgabe einer Bewertung ausschließlich an zufriedene Kunden zu versenden.
Einladungen müssen automatisch an alle Kunden oder an eine objektiv zusammengestellte Zufallsstichprobe versendet werden.
8. Kennzeichnung jeglicher Anreize
Neben der Bewertung muss angegeben werden, ob der Verfasser Folgendes erhalten hat:
- einen Rabatt;
- ein kostenloses Produkt;
- ein Geschenk;
- eine Teilrückerstattung;
- eine Partnerprovision;
- Teilnahme an einer Verlosung;
- Bonuspunkte;
- kostenlose Verlängerung des Abonnements.
Eine solche Bewertung ist nicht unbedingt falsch, aber der Nutzer sollte sich bewusst sein, dass der Verfasser einen Vorteil daraus gezogen hat.
Einschränkungen bleiben dennoch bestehen
Selbst dieses Modell löst das Problem nicht vollständig.
Zahlungen können zwischen verbundenen Parteien erfolgen. Ein günstiger Dienst kann als Grundlage für eine Bewertung eines teuren Produkts dienen. Nach der Überprüfung kann eine Rückerstattung oder ein Chargeback beantragt werden.
Barzahlungen sind schwieriger zu überprüfen. Der Zahler kann ein Verwandter, ein Arbeitgeber oder ein anderes Unternehmen sein. Manche Dienstleistungen haben kein klares Enddatum. Screenshots der Nutzung können ebenfalls gefälscht werden.
Zudem kann ein echter Kunde absichtlich eine falsche, bezahlte oder emotional verzerrte Bewertung hinterlassen.
Daher besteht die Aufgabe der Plattform nicht darin, Beiträgen den Status „absolut wahr“ zuzuweisen, sondern aufzuzeigen, welche Fakten von einer unabhängigen Stelle bestätigt wurden und welche lediglich Behauptungen des Autors bleiben.
Wie man ein Unternehmen heute bewertet
Die Sternebewertung sollte nicht das Hauptkriterium sein.
Im B2B-Bereich muss Folgendes überprüft werden:
- die Rechtsform;
- Lizenzen;
- Bankverbindung;
- tatsächliche Geschäftstätigkeit;
- vertragliche Verpflichtungen;
- Empfehlungen durch unabhängig gefundene Kontakte.
Ein vom Unternehmen selbst angegebener Kundenkontakt kann eine verbundene Person oder ein Teilnehmer eines vorab vorbereiteten Referenzsystems sein.
Im B2C-Bereich ist es wichtiger zu prüfen:
- an wen genau das Geld überwiesen wird;
- ob der Zahlungsempfänger mit dem Unternehmen übereinstimmt;
- die Vertragsbedingungen;
- die Rückgabebedingungen;
- die Möglichkeit einer Rückbuchung;
- die Lizenzierung;
- Vorhandensein einer Aufsichtsbehörde;
- gerichtliche und aufsichtsrechtliche Entscheidungen;
- tatsächliche Möglichkeit, mit dem Unternehmen Kontakt aufzunehmen;
- ein funktionierendes Verfahren zur Streitbeilegung.
Das Alter der Domain, das Logo eines bekannten Medienunternehmens, professionelle Antworten auf Bewertungen, das Verified und eine Wikipedia-Seite können als zusätzliche Anhaltspunkte dienen, sollten jedoch nicht als eigenständige Beweise gewertet werden.
Das zuverlässigste Indiz ist nicht die Anzahl positiver Beiträge, sondern die Möglichkeit, unabhängig zu bestätigen:
- die Existenz des Unternehmens;
- seine Geschäftstätigkeit;
- die Echtheit der Zahlungsdaten;
- die Tatsache der Erfüllung von Verpflichtungen;
- echte Kundenbeziehungen;
- die langfristige Nutzung des Produkts;
- das Fehlen von Rückbuchungen oder Zahlungsanfechtungen.
Fazit
Online-Bewertungen sind nicht völlig nutzlos geworden, gelten aber nicht mehr als eigenständiger Vertrauensnachweis.
Heute kann man nicht nur ein paar Fünf-Sterne-Bewertungen kaufen. Man kann Kunden, Konten, Beiträge, Quellen, Suchergebnisse, Expertenstatus und eine ganze Unternehmensgeschichte erschaffen.
Man kann eigene Inhalte über ein kostenpflichtiges Contributor-Programm veröffentlichen und diese anschließend als unabhängige Erwähnung in einem bekannten Medienunternehmen präsentieren. Man kann Scheineinrichtungen auf alten Domains erstellen, diese als Quellen für Wikipedia nutzen und Wikipedia dann wiederum als neuen Vertrauensnachweis einsetzen.
Daher verwandelt sich der Markt für Bewertungen zunehmend in einen Markt für den Verkauf von Reputation.
Ein zukünftiges Vertrauenssystem sollte nicht auf Sternen, dem Alter eines Kontos, einem bekannten Logo oder einer allgemeinen Bewertung Verified, sondern auf einer unabhängigen Überprüfung der juristischen Person, der Zahlung, der tatsächlichen Geschäftstätigkeit, der tatsächlichen Nutzung des Produkts und des daraus resultierenden Ergebnisses.